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Hammer

 

November 1999

 

Nine Inch Nails - Abstieg und Zerfall

 

Autor: Paul Elliot

New York ist ein Glutofen. Es ist Labor Day, viele Einheimische haben die Stadt verlassen, aber trotz Temperaturen über 30°C und dicken Wolken, die den Smog zwischen den Häuserschluchten festhalten, ist der Times Square voll von Leuten. 15 Meter über dem Pflaster verkündet eine große pulsierende Neonreklame die Stars der diesjährigen MTV Awards: Britney Spears, Backstreet Boys, Puff Daddy, N-Sync, Ricky Martin, NINE INCH NAILS…

 Die Straßen, die vom Times Square wegführen, habe allesamt neue Spitznamen für den Abend: Eminem Avenue, Lauryn Hill Street, Korn Road. Jemand schlägt "Nine Inch Nails Sackgasse" vor. Dieser jemand ist Trent Reznor. Das schweigsame Genie hinter Nine Inch Nails schenkt sich einen starken Kaffee ein - wir sind im Zimmer 1506 im Time Hotel, eine Minute Fußweg vom Times Square entfernt. Die Proben für Nine Inch Nails Auftritt auf den MTV Awards waren intensiv und anstrengend, aber der 34jährige Reznor macht einen entspannten Eindruck. Er wirkt schlanker als früher, ohne den Bart und mit kurzgeschnittenem Haar. Er trägt eine schlichte schwarze Jeans, solide Armee-Stiefel und ein violettes langärmeliges T-Shirt mit einem großen Riss am Nacken - offenbar ein altgedientes Schätzchen.

 Reznor mag New York. Eventuell wird er eines Tages hier herzuziehen, bemerkt er, denn New Orleans ist er satt, nachdem er dort vier Jahre in einer umgebauten Gedächtnishalle gearbeitet hat. "Ich brauche ein kosmopolitisches Umfeld", erklärt er, "und ich hasse Los Angeles." Dennoch: Diese Reise nach New York ist rein geschäftlich. "Wir sind noch nie live im Fernsehen aufgetreten", sagt er leicht angenervt. "In Amerika kannst du in die Situation kommen, dass du MTV brauchst, und am Ende stehst du in deinen Unterhosen vor der Kamera, um dein neues Video anzusagen."

 Am Vortag fuhren die Punkrocker Blink 182 auf einem offenen Truck durch die Straßen von New York und spielten fast nackt Songs ihres neues Albums: ein typischer MTV-Gag. "Wir schulden MTV nichts", stellt Reznor klar, "deswegen können wir die Spielregeln festlegen wir die Spielregeln festlegen. Unsere Show wird nicht sehr aufwendig sein, sie soll nur zeigen, dass wir leben und unser neues Album erscheint."

Womit wir beim Thema sind: Fünf Jahre nach THE DOWNWARD SPIRAL, dem Album, das Reznor als einen der kreativsten und einflussreichsten Künstler der Neunziger etablierte; fünf Jahre, in denen Reznors Leben in Trümmern lag und langsam wieder zusammengebaut wurde; fünf Jahre voll von persönlichem und künstlerischem Ringen, erscheint ein neues Werk von Nine Inch Nails. Der Titel ist vielsagend THE FRAGILE - das zerbrechliche. "Es geht um den Versuch, Dinge zusammenzuhalten, die von sich aus nicht zusammen passen", erklärt er.

 Michael Trent Reznor fühlt sich, solange er denken kann, als der einsamste Mensch auf diesem Planten. Man nannte ihn Trent, um ihn von seinem Vater, Michael Reznor Senior, zu unterscheiden. Er hat eine Schwester, wuchs aber als Einzelkind bei seinen Großeltern auf, nachdem sich seine Eltern scheiden ließen. Trents Heimat war Mercer, Pennsylvania, "ein winziges Flecken Nichts", in der Nähe der Stahlkocher-Stadt Pittsburgh.

 "Es war mein größtes Ziel, dem ländlichen Pennsylvania zu entkommen", erinnert er sich. "Es gab einfach nichts zu tun dort. Wenn ich heute mal dorthin zurückkehre, sehe ich die Schönheit der Landschaft, aber als Kind wollte ich so schnell wie möglich weg." Kurz nach seinem elften Geburtstag begann er, Klavierstunden zu nehmen - auf Drängen seiner Großeltern. "Ich weiß nicht, warum sie mich dazu gezwungen haben, aber ich bin froh drüber", grinst er. "Es hat sofort geklickt. Seitdem wusste ich, was ich in meinem Leben erreichen wollte: Musiker werden, in einer Rockband spielen."

 In der Isolation von Mercer schien das jedoch lange Zeit ein utopischer Traum. "Du bist so weit weg von all dem, was du im Fernsehen siehst; die Entfernung scheint unüberbrückbar", erinnert er sich. "Das hat mich immer extrem genervt, denn es sah so aus, als ob die Leute im Fernsehen immer extrem viel Spaß hätten. Du wirst darauf trainiert, eines Tages eine Familie zu haben, alle lächeln und sind glücklich und leben an einem Ozean, den ich das erste Mal gesehen habe, als ich 18 verdammte Jahre alt war. Draußen in der Welt passieren die Dinge, und ich gucke auf ein Kornfeld! Das Großereignis bei uns war ein Besuch bei McDonald's. Ich habe mich wirklich verarscht gefühlt!"

 Trent Reznor zog aus Mercer weg, sobald der konnte. Mit 18 schrieb e sich für einen Kurs in Computertechnik in der Nähe von Cleveland ein. "Als Absicherung", erklärt er mit pseudo-erstnahstem Ton. Am College entdeckte er das Radio, die Achtziger-Synthiepop-Explosion und "eine Million andere Bands, die alle cooler als Foreigner waren". Damals noch mit Vokuhila-Frisur, die er etwas peinlich berührt als "eher Duran Duran als Pro-Wrestler" beschreibt, spielt Trent mit einigen College-Bands 20-Minuten-Versionen von ´Cocaine' oder ´Smoke On The Water', bevor er den Kurs aufgab und nach Cleveland zog, um eine ernsthafte Band zu gründen. Es endete damit, dass er in Aufnahme-Studios arbeite - meist, um die Klos zu putzen. Mit 23 merkte er, dass sein Leben in eine Sackgasse lief. Beeinflusst von Industrial-Acts wie Cabaret Voltaire und Skinny Puppy, machte er sich ernsthaft daran, Songs zu schreiben - Songs, die letztlich zu PRETTY HATE MACHINE wurden, dem ersten, 1989 veröffentlichten Nine Inch Nails-Album.

 "Ich habe in meinem Tagebuch nachgesehen", eröffnet er mir. "Es war voll von Hasserfüllten, aber sehr ehrlichen Gedanken. Erst dachte ich, das kannst du nicht nach außen tragen, aber ich merkte, dass es gerade die kompromisslose Ehrlichkeit war, die diese Worte wichtig machten. So wichtig, dass es mir egal war, meine Persönlichkeit nach Außenstehenden zu öffnen. Ich war nicht gerade stolz über viele Sachen, die ich auf diesem Album erzählte, aber ich dachte mir, dass es eh niemand hören würde. Dann hat PRETTY HATE MACHINE auf einmal Erfolg, und ich sitze in Interviews, ohne vorab eine Figur erschaffen zu haben, hinter der ich mich verstecken kann. Die Platte war ehrlich, daher kam ihre Kraft, und dann saß ich da und erzählte nur wahnsinnigen Scheiß…"

 Zu einer Zeit, da Guns N'Roses die größte Band der Welt waren und Grunge noch nicht stattgefunden hatte, machten der Realismus und die emotionale Kraft von Reznors Texten, kombiniert mit einer mutigen neuen Form von Elektro-Rock, Nine Inch Nails einmalig. Der Wiederhall dieses ersten Albums findet sich noch heute, zehn Jahre danach, in der Musik und den Texten von Korn oder Marilyn Manson. Das einsame Kind aus Mercer hatte nun seinen Traum: Er war ein Rockstar. Der Traum würde irgendwann zum Alptraum werden.

 Mit dem 1994 erschienenen zweiten Album THE DOWNWARD SPIRAL wurde Trent Reznor zur Pop-Ikone. Vorausgegangen waren zwei Mini-Alben, BROKEN und dessen Remix-Zwilling FIXED. THE DOWNWARD SPIRAL brachte Industrial ins Bewusstsein der Mainstream-Rockszene und verkaufte fünf Millionen Exemplare. Gleichzeitig entstand eine gewaltige Nachfrage nach Reznors Talent als Produzent. Direkt nach dem Ende der ´95er Welttournee begann er mit der Arbeit an Marilyn Mansons ANTICHRIST SUPERSTAR in seinem Heimstudio in New Orleans (nachdem er schon das Debüt PORTRAIT OF AN AMERICAN FAMILY produziert hatte). Außerdem war er ausführender Produzent des Soundtracks zu Oliver Stones ´96er Film ´Natural Born Killers', im Jahr darauf folgte der Soundtrack zu David Lynchs ´Lost Highway'.

 Reznor hat in all den Jahren sei THE DOWNWARD SPIRAL stets auch neue Nine Inch Nails-Songs geschrieben, aber als es ernsthaft Zeit wurde, die Arbeit an einem Nachfolger aufzunehmen, quälten ihn Zweifel und Unsicherheit. 1997 nannte ihn das Time Magazine einen der 25 einflußreichsten Amerikaner, aber Trent Reznor fühlte sich einsamer als je zuvor.

 "Ich mag die Person nicht, die ich am Anfang dieses Albums war", seufzt er, "THE DOWNWARD SPIRAL wurde zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Ich endete als ein Mensch mit einer verzerrten Persönlichkeit, jemand, den ich nicht kannte. Ich kehrte von der endlosen Tournee zu diesem Album zurück und erkannte den Ort nicht wieder, von dem ich aufgebrochen war. Alles war anders. Es gab mehr Leute, die dir in den Arsch krochen, und mehr, die nur darauf warteten, Zeuge deines Versagens zu sein. Ich stürzte mich direkt in das Manson-Album, das war für mich eine Methode, auf Tour zu bleiben - geistig. Jede Nacht war ein lächerliches Szenario. Am Ende hatte ich alle Illusionen verloren."

 Du hast einmal einen Nervenzusammenbruch angedeutet. War es so schlimm? "Ja, wirklich, obwohl ich daraus keine große Geschichte für die Presse machen möchte. Es war die harte Arbeit, die mich in einen Zustand der Verzweiflung führte, emotionell wie … spirituell - ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Ich vermied es, mit dem neuen Album anzufangen, weil ich vergessen hatte, dass es mir wirklich spaß macht, Musik zu spielen und zu hören. Der ganze Scheiß, der das umgibt - manches ist gut, vieles schlecht -, verbarg vor mir den eigentlichen Grund warum ich Musik mache."

 Als inmitten seiner künstlerischen Verlorenheit Trents Großmutter im Alter von 85 Jahren starb, spürte er gar nichts. Das gibt er mit bemerkenswerter Ehrlichkeit zu: "Als es passierte, habe ich mich abgekapselt. Ich fühlte mich erschreckend betäubt während der ganzen Angelegenheit - ich saß da und wartete, dass mein Körper verfault, war nicht in der Lage, die Situation anzunehmen und zu verarbeiten. Ich sah mich dazu außerstande. Es war der erste Tod in meiner Familie, und er hat meine ganze Existenz in Frage gestellt. Ich fing an, zu denken: ´Will ich das alles hier?' Ich kenne niemanden, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere einfach aufgehört hat, abgesehen von denen die sich umgebracht haben. Das hatte ich nicht vor. Wiederum ging es also darum, dass ich mich an meine Liebe zur Musik erinnerte."

 Um sein Unglück zu vervollständigen verlor Trent zu dieser Zeit auch einen guten Freund: Marilyn Manson. Nachdem er Manson auf seinem eigenen Label Nothing herausgebracht und dessen Durchbruch ANITCHRIST SUPERSTAR produziert hatte, fühlte er sich durch die Enthüllungen aus Mansons Autobiographie ´The Long Hard Road Out Of Hell' betrogen. Dort wird er als voyeuristischer Manipulator menschlicher Gefühle beschrieben, mit einem Geschmack für ´beschissene Frauen'. Diese Beobachtungen stammen aus der Zeit einer gemeinsamen Tour von Nine Inch Nails, Marilyn Manson und der Jim Rose Circus Sideshow, einer S&M-Freakperformance.

 "Ich kann das niemandem erklären, der nicht dabei war", meint Trent dazu. "Es ist verrückt, stell' dir einfach die Art von Menschen vor, die zu so einer Show kommen - jeder versucht, den anderen zu übertreffen. Ein paar von den Typen im ´Circus' haben Hörner und einen Schwanz, einer von ihnen hat versucht, sich in meinem Studio ein Loch in den Schädel bohren zu lassen, so dass die Gehirnflüssigkeit rausrinnen kann - du bist dann immerzu high. Das war das Niveau, auf das es hinauslief. Bald hätte es Leichen gegeben - und eine Menge Fragen. Jim Rose ist derjenige, der letztlich an allem Schuld ist. Beim ersten Zusammentreffen mit ihm aß ich eine Glühbirne und dachte dabei: ´Was machst du hier?' Ich werde immer in solche Sachen hineingezogen. Wir saßen in einer Cafeteria und er sagte: "Hier, nimm einen bissen." Ich habe nichts geschluckt, aber alleine die Tatsache, dass ich das Ding in den Mund nahm…"

 Hast du das Gefühl, Manson habe sein Vertrauen missbraucht? "Wenn bestimmte Leute die Grenze von dem, was anständig ist, überschreiten, will ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben", antwortet er vorsichtig. "Manson hat diese Linie überschritten. Er sagte einige sehr ignorante, gemeine und bösartige Sachen. Du kannst mir glauben oder jemand anderem, aber auf dieser Tour war ich am Rande als Beobachter involviert, und auf einmal werde ich als der Anführer beschrieben. Manson rührt in der Scheiße rum…"

 Aus diesem Schmerz und Zorn wurde THE FRAGILE geboren, Trent Reznors reifstes Werk. "Ich hasse den Gedanken, dass Unglück die Triebkraft ist, die mein Künstlertum beflügelt", meint Reznor achselzuckend, "aber es ist eine Inspiration." Mit 23 Songs in mehr als einhundert Minuten ist THE FRAGILE eine Rarität auf dem heutigen Markt. Nicht nur, weil es ein Doppelalbum voller neuer Songs ist - gehr zurück bis 1995 und MELLON COLLIE & THE IFINTE SADNESS von den Smashing Pumpkins für einen treffenden Vergleich -, sondern auch, weil es vor künstlerischer Integrität strotzt. Es gibt keine offensichtliche Single, es ist Kunst um ihrer selbst willen.

 "Ich klinge wie ein angeberisches Arschloch, wenn ich sage: Ich mache Kunst", grinst Reznor. "Aber ich liebe viele Alben aus den Siebzigern, denn damals hatte der Kommerz noch nicht seine Klauen in die Musik gehauen und alles in ein ´Produkt' verwandelt. THE FRAGILE stellt einige Ansprüche an den Zuhörer, aber es lohnt sich."

 Reznor behauptet, er habe während der Arbeit kaum Radio hingehört und statt dessen seine Lieblingsalben aus den Sechzigern und Siebzigern wieder hervorgekramt: David Bowie, Lou Reed, Iggy Pop, Pink Floyd, Queen und das legendäre Weiße Album der Beatles. Letzteres ist eine unübersehbare Verbindung zu Nine Inch Nails, nachdem Reznor THE DOWNWARD SPIRAL in dem Haus aufgenommen hatte, in dem 1969 Anhänger Charles Mansons neun Partygäste ermordeten und dafür später das Weiße Album als Inspiration angaben.

 "Keiner meiner Bezugspunkte war aktuell", sagt Reznor, der Atari Teenag Riot als "die einzige Band mit Substanz" unter den zeitgenössischen Rock-Acts betrachtet. "David Bowie hat sich ständig neu erfunden und herausgefordert, ist dabei oft genug gescheitert, aber er schrieb wichtige Musik. Ich wollte immer alles wegschmeißen und komplett von vorne anfangen, aber die Frage stellte sich: ´Lass ich das fallen, was gut war?' Alan Moulder hat das Album zusammen mit mir produziert. Normalerweise gab es zu viele Ideen und zu wenig ziele. Auf halbem Weg hatten wir noch keine Texte, das Album bestand nur aus seltsamen Soundscapes, wie Filmmusik. Aber wir wollten ein wichtiges Album erschaffen, nicht so ein selbstgefälliges Ding von zwei Typen, die den Kontakt zur Realität verloren hatten."

 Es war also wieder an der Zeit, dass Trent in seine Tagebücher abtauchte und tief in die Dunkelheit seiner Seele griff. "THE DOWNWARD SPIRAL war wie ein Abstieg", sagt er. "Ein Prozess des Häutens, immer eine Schicht abkratzen, analysieren, bis man zu einem bestimmten Punkt gelangt. Dieses Album beginnt im Zentrum, ganz unten."

 Genauso wie bei den Vorläufern finden sich auf THE FRAGILE Texte, die Reznor zurückblickend für etwas zu persönlich hält. Er zieht es vor, die entsprechenden Songs nicht zu nennen und kehrt lieber zu einer wissenschaftlichen Untersuchung der Musik zurück.

 "Klanglich war unser Zugang so: Wir nahmen Instrumente, die entweder kaputt waren, nicht richtig angeschlossen oder verstimmt. Dieses Album ist keine harte, unverwüstliche Maschine wie THE DOWNWARD SPIRAL. Es ist rostig, zerschossen, es wächst Moos auf seinen Flanken, Lehm und Büroklammern halten es zusammen. Einzelne Teile können jederzeit herunterfallen." Er lächelt: "Das habe ich mir jetzt gerade ausgedacht, aber es klingt ziemlich gut."

 Reznor weinte fast, als er THE FRAGILE erstmals als fertige Platte hörte. Das kommt nicht überraschend: Fünf Jahre seines Lebens, lange, harte Jahre, finden sich komprimiert auf diesen zwei CDs. Während dieser Zeit waren Reznor und Moulder so innig mit der Musik verwachsen, dass sie eine Kraft von außerhalb mit einem frischen, unvorbelasteten Zugang finden mussten, als es darum ging, die 23 Songs in eine Reihenfolge zu bringen. Es war der Auftritt von Bob Ezrin, dem Produzenten von Pink Floyds THE WALL (einem anerkannten Einfluss für THE FRAGILE) und klassischen Rockalben von Kiss und Alice Cooper. Nach mehreren gescheiterten Anläufen gelang es Ezrin kurz vor dem endgültigen Abgabetermin, in einer langen Nacht in Trents Studio alle Songs in die perfekte Reihenfolge zu bringen. "Ich hatte nie untersucht, was ich mit diesen 23 Liedern ausrücken wollte", gesteht Reznor. "Bis ich merkte das man sie in zwei Akte organisieren konnte."

 Das war es. THE FRAGILE ist vollendet. Und Trent ist so glücklich wie eine lange Zeit nicht mehr. "Am Anfang fühlte ich mich schrecklich einsam, als wäre ich der letzte Mensch auf der Erde, gefangen in einem Studio. Jetzt fühle ich mich besser, ich kann in den Spiegel blicken und das mögen, was ich sehe. Ich spüre immer noch einen Hauch von Einsamkeit und Mangel an Vollständigkeit, aber ich lerne mich wieder besser kennen. Ich bin ziemlich schüchtern, ich habe Angst vor Menschen, deswegen verstecke ich mich. Bei Nine Inch Nails geht es vor allem um die Musik, es gibt nicht viel mehr zu sehen. Ich habe nie mit dieser Geschichte begonnen, um berühmt zu werden und mein Gesicht überall zu sehen. Ich kann damit fertig werden, aber das Interesse an meiner Person ist ein Nebeneffekt dessen, was ich mache. Ich spiele nicht Musik, um berühmt zu sein."

 Ironischerweise offenbart Trent Reznor mehr von seinem wahren Wesen in einem einzigen Songs als Marilyn Manson in seiner kompletten Autobiographie. "Ich hielt mein Leben an, um dieses Album zu erschaffen", sagt Reznor. "Ein Akt der Selbstbeobachtung um Studio. Jetzt kehre ich zurück zu einem normalen, öffentlichen Leben, und finde mich in einer besseren Position, mit den Resultaten daraus umzugehen. Ich fühle mich wirklich gut im Moment, denn ich bin sehr stolz. Es überrascht mich auf angenehme Weise, dass das Album so gut zusammenhält. Es gibt eine Szene in dem Film THE WALL, wo der Typ ein Hotelzimmer verwüstet und danach versucht es wieder zusammenzusetzen. Natürlich gelingt es ihm nicht richtig, aber er versucht die Dinge wieder annähernd wieder herzustellen. Dieses Bild habe ich benutzt. Es hat mir geholfen."

 Das ist die Essenz von THE FRAGILE und das Muster in einem unruhigen Leben, von dem Trent Reznor das Gefühl hat, dass es nach 34 Jahren endlich Sinn macht.

 Paul Elliot

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