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 Danke, Nils!

Burger King Magazin

 

Januar 2000

 

 Anleitung zum Unglücklichsein

 

  Autor: nicht angegeben

 

 

Selten wurde ein Album in Fachkreisen so heiß erwartet wie das seit mindestens drei Jahren überfällige, vierte reguläre Werk von Trent Reznor, dem einzigen kreativen Mitglied von »Nine Inch Nails«. Insbesondere in den USA war dieser enigmatische Düsterling schon seit dem 1989er Debüt »Pretty Hate Machine« zu Kultstatus gelangt.

Jenes Album verband erstmals schroffe Industrial-Klänge mit Melodien und Beats, die auch einer breiteren Konsumentenschicht gefielen, was ihn in den Augen vieler zum Übervater einer ganz neuen Musikrichtung machte. Mit »Head Like a Hole« enthielt es jedenfalls einen DER Hass-Hits des Jahrzehnts der »Teenage Angst«.

Galt Reznor schon damals hauptsächlich aufgrund seiner brutalen Konzerte als aggressiv und unberechenbar, so legte er mit «Broken« 1 992 noch mal heftigst nach. «Wish« und vor allem »Happiness In Slavery« waren von brachialer Intensität, die auch in verstörenden Videos zum Ausdruck kam.

1994 folgte “The Downward Spiral“, schlug ein wie eine Bombe und rückte “Nine Inch Nails“ erstmals auch in Europa ins Rampenlicht. Ein epochales Meisterwerk, bis heute unerreicht. Tiefste Depression wurde noch nie vielschichtiger, versierter und faszinierender verpackt.

Aber wie das eben so ist mit Kultalben, der Anschluss daran ist unglaublich schwer. Reznor musste jedoch nicht nur an dieser schwierigen Aufgabe knabbern, er hatte zudem persönliche Tragödien zu überstehen und außerdem sein Label Nothing Records zu betreiben. Und so dauerte es eine halbe Dekade, bis »The Fragile« in den Regalen stand. Um es vorweg zu nehmen: An »Downward Spiral« kommt es nicht annähernd heran, doch das heißt längst nicht, dass man sich das Geld sparen sollte. Im Gegenteil! Man darf sich zwar nach wie vor über Sinn und Zweck eines Doppelalbums mit auffällig hohem Instrumental-Anteil wundern, doch wer sich die Zeit nimmt, diesen Marathon wirken zu lassen, wird feststellen, dass kaum ein überflüssiger Ton zu bemängeln ist. Reznor hat seinen musikalischen Horizont nochmals erweitert und findet offensichtlich immer mehr Gefallen an trägen, sich langsam entfaltenden und immer intensiver werdenden Spannungskonstrukten. Seine energi sche Ader hat er aber keineswegs abgelegt, wie die Single »We‘re In This Together Now« beweist. »The Fragile« ist ein Werk, das Trent Reznors Ikonenstatus außer Frage stellt, selbst wenn die Musik für viele bisherige Fans nur noch eingeschränkt nachvollziehbar ist. Das wird nichts daran ändern, dass dieser Mann als einer der bedeutendsten Künstler des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen wird.

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