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Ghosts

 

 

 

 

Rock Hard

 

Juli 2008

 

Plusminus

 

 

Autor: Conny Schiffbauer und Michael Rensen

 

 

 

Nine Inch Nails

Ghosts I-IV

Null Corporation (110:15)

VÖ: Bereits erschienen

Seitdem NINE INCH NAILS ohne Major-Plattenfirmen-Vertrag dastehen, sprüht Bandkopf Trent Reznor vor Kreativität. Das erste in der neugewonnenen Freiheit entstandene Werk hört auf den Namen „Ghosts I-VI“ und ist ein innerhalb von nur zehn Wochen eingespieltes und über Weite Strecken improvisiertes Doppel-Instrumental-Album. Wer nach klassischen Songstrukturen, eingängigen Hooklines und hitverdächtigen Singlemelodien sucht, ist hier fehl am Platz. Stattdessen frönt Reznor seiner Begeisterung für eigenwillige Klangexperimente und kreiert eine 36 Tracks starke, düstere Industrial-Ambient-Collage, die er selbst als „Soundtrack für Tagträume“ beschreibt. Aggression und wütende Texte fehlen auf „Ghosts I-IV“. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Epos gelegentlich langatmig rüberkommt. Zwar wühlt sich der Industrial-Maestro wie immer technisch versiert durch spartanische Elektro-Beats, pulsierende Klangteppiche, gefühlvolle Pianostücke, krachig-verzerrte Riffs und Percussions, die zum Teil mit Haushaltsgegenständen erzeugt wurden; doch auch der größte NINE INCH NAILS-Fan dürfte nach einiger Zeit den mitreißenden Charakter „richtiger“ Songstrukturen vermissen. Für Sound-Fetischisten, Liebhaber von Nummern wie ‚La Mer‘, ‘The Mark Has Been Made’ oder ‘A Warm Place’ und Fans von Reznors bisherigen Soundtrack-Arbeiten ist „Ghosts I-IV“ allerdings genau das Richtige.

Conny Schiffbauer

8 Punkte, Daumen hoch

 

Bei „innerhalb von nur zehn Wochen eingespielt“ und „über weite Strecken improvisiert“ müssten eigentlich schon sämtliche Alarmglocken klingeln. Natürlich gibt es Künstler, die aus dem Bauch heraus grandiose Scheiben aufnehmen können, aber Trent Reznor gehörte noch nie dazu. „Ghosts I-IV“ klingt trotz diverser interessanter Sound-Collagen seelen- und belanglos, mordsmäßig langweilig und - um mal etwas konkreter zu werden - wie ein Album, bei dem man fast durchgehend Vocals vermisst. Vielleicht sollte jemand Herrn Reznor mal stecken, dass zu einem guten Instrumentalalbum mehr gehört, als einfach nur halbfertige Gerüste herkömmlicher Songs aufzunehmen und den Gesang wegzulassen...

Michael Rensen

6 Punkte, Daumen runter

 

 

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