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Year Zero

 

 

 

 

Rock Hard

 

April 2007

 

Nine Inch Nails -

Hinab in eine unbekannte Dunkelheit

 

 

Autor: Conny Schiffbauer

 

 

Trent Reznors Resümee zu "With Teeth" klingt ernüchternd: "Mit dieser Scheibe musste ich nach jahrelangem Blackout erst einmal wieder testen, was ich überhaupt noch kann". das wahre Comeback von NINE INCH NAILS ist "Year Zero", der erste teil eines apokalyptischen Albumkonzepts, dessen Fortsetzung bereits 2008 folgen soll.

 

16 Songs lang tauchen die Industrial-Ikonen in eine düstere Zukunftsvision ein, die im Jahr 2022 spielt. 72 Minuten zelebrieren NINE INCH NAILS einen schwarzen Soundtrack, dessen Hauptaugenmerk auf teilweise improvisierten Klang-Collagen liegt.

 

"Hyperpower":

Ein düsteres Intro lässt den Zuhörer langsam in Reznors apokalyptisches Szenario eintauchen.

 

"The Beginning of the End":

es herrscht eine eiskalte, sterile ruhe vor dem grossen Sturm. der Song überrascht mit einer fast schon poppigen Note. langsam setzen die NIN typischen verzerrten Industrialsounds ein.

 

"Survivalism":

Die erste Single geht mit höllischen, tanzbaren Up-Beat sofort in die Beine. der eingängige Refrain beisst sich in den Gehörgängen fest und macht 'Survivalism' zu einem potenziellen Club-Kracher.

 

"The Good Soldier":

Ein markerschütternder, drückender Beat der Marke 'Closer' bringt die Eingeweide zum vibrieren. Trents entspannter Gesang, luftig-dunkle Synthie-Teppiche und rau quiekende (hurz?!-Red.) Gitarren untermalen das Szenario.

 

"Vessel":

Ist eine bedrückende Sound-Collage aus pochenden trip-hop Beats, sägenden Samples und spacigen Computerspiel-Geräuschen.

 

"Me, I'm not"

Wie schon bei der ersten Single tauchen hip hopper Saul Williams als Background-Sänger auf. Die Nummer klingt maschinell und entrückt. Gitarren kommen kaum zum Einsatz, elektronischer Purismus und verspielte Effekte dominieren.

 

"Capital G":

Mit einem dancefloor-geeigneten Midtempo-Rhythmus hat 'Capital g' das Zeug zur zweiten Single.

 

"My Violent Heart":

Dumpfe Beats schlagen ins Trommelfell. Trent flüstert beschwörend, bis der Refrain mit schmerzhaft verzerrten Sample-Granaten einsetzt.

 

"The Warning":

Voluminöse, kalte Big-Beats prügeln sich in die Magengrube. Gitarren sägen zu Reznor Gesang.

 

"God Given":

Gewaltige Sound-Eruptionen und ein Dance-Rhythmus lassen 'God Given' zu einem der coolsten Tracks auf 'Year Zero' avancieren.

 

"Meet Your Master":

Der Vibe von 'A Perfect Drug' ist spürbar. mehrstimmiger Gesang verschmilzt mit trillernden Soundeffekten und einem gewaltigen Midtempo-Beat.

 

"The Greater God":

Horroratmosphäre macht sich breit. Trent nuschelt entrückt, ein Klavier spielt wie von Geisterhand, und bedrohliche Synthie-Teppiche vereinen sich mit narkotischen Störgeräusch.

 

"The Great Festroyer":

Ein zerstörerischer Beat gibt die Marschrichtung vor, Wolken aus neurotisch-kranken Samples umfliegen Trents melodischen bis kraftvollen Gesang.

 

"Another Version Of The Truth":

Das Inferno scheint vorbei zu sein. summende, warme Soundwogen und verlorene Pianoklänge geben dieser Instrumental- Nummer den Charme eines 'The Downward Spirals' Relikts.

 

"In This Twilight":

Kurz vor Schluss dürfen die Gitarren dominanter knattern, während Trent zu luftig pochenden rhythmen singt.

 

"Zero-Sum":

noch einmal übernehmen wummernde Beats die Herrschaft. flüsternder Gesang umspielt tote Klavierklänge (Doppelhurz?!-Red.), bevor es mit einem surrenden Sound hinab geht in eine unbekannte Zukunft.

 

Fazit:

"Year Zero" wird dominiert von gewaltigen Beats, die regelrecht zu leben scheinen. sie surren, atmen, saugen und spielen die Hauptrolle in einem Kunstwerk, das an den elektronischen Purismus von "Pretty Hate Machine" oder "A Perfect Drug" erinnert, aber gleichzeitig um Welten vielschichtiger und komplexer klingt. Reznor schreit weniger und lässt die Gitarren vornehmlich im Hintergrund agieren, um den Fokus auf ein buntes Spektakel aus pulsierenden Rhythmen, Samples, apokalyptischen keyboard-läufen und exotischen Sound-Fragmenten zu lenken. die am 13. April erscheinende cd klingt futuristisch kalt und wärmend zugleich, und der von Reznor stets dementierte Einfluss von Saul Williams ist in den vielfältigen Rhythmen spürbar, bei denen nicht selten Pop-,Hiphop- und Big Beat-Vibes durchscheinen.

 

Conny Schiffbauer

 

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