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Visions

 

Mai 2007

 

Nine Inch Nails

Köln, Palladium

 

 

Autor: Jochen Schliemann

 

 

 

Nine Inch Nails / Ladytron

14.03.2007 Köln, Palladium, ca. 4.000 Besucher (ausverkauft)

Endlich ist man auch mal selbst dabei: Dieses Konzert wird in die Geschichte eingehen. Trent Reznor hat es selbst gesagt: „Das war vielleicht das meiste, was ich je auf der Bühne gesprochen habe“, fügte er unter lautem Jubel eben an. Der Grund für das Mitteilungsbedürfnis des NIN Kopfes liegt im Jahr 1991: „Eines unserer ersten Konzerte in Deutschland war ein schrecklicher, schrecklicher Fehler. Wir spielten im Vorprogramm von Guns N‘ Roses“, gestand er vor rund einer Minute.,, Das Line-up bestand aus Guns N‘ Roses, Skid Row und uns. In Mannheim. Ich weiß noch nicht einmal, wo das ist. Ich dachte seitdem, Deutschland sei dieser feindselige Ort mit ausschließlich Leuten. die Würste auf uns werfen.“ Das Köllner Palladium liegt flach vor lachen „Nun weiß ich, ihr seid nicht alle so.“ Zu Zeiten seines kommerziellen Durchbruch-Albums „The Downward Spiral“ schlängelte sich Reznor noch zu minutenlangen Introsounds hinter einem weißen Vorhang an seinem Mikroständer hoch. Heute beginnen er und seine Band — nach den durchschnittlichen Synthie-Poppern Ladytron im Vorprogramm — mit dem sperrigen „Somewhat Damaged“, bevor das Saallicht überhaupt erloschen ist. Es folgt kein dunkles Konzert. Eher ein offensives. Fast die gesamte Elektro-Punk-EP „Broken“ wird gespielt von einer bei aller Geschwindigkeit technisch beeindruckenden Band. Vor allem Gitarrist Aaron North trägt neben den Elite Berufsmuckern Jeordie White und Josh Freese (beide spielen unter anderem bei A Perfect Circle( das Erbe der wilden Nine-Inch-Nails Live-Shows weiter. Wie ein Derwisch jagt er über die Bühne, stachelt die anderen an, wirft mit Wasser um sich, malträtiert die Lampe über ihm und vor allem seine Gitarre, auf die er teilweise über mehrere Takte einknüppelt, um ihr Rückkopplungen zu entlocken und sie genau in dem Moment verstummen zu lassen, als Reznor zurück ans Mikrofon tritt. Und der meint es gut mit „The Downward Spiral“-Fans: „Ruiner“, „Heresy“, „Piggy“ sowie den grandiosen Non-Album-Track „Burn“ gibt es neben den Hits „Closer“ und „March Of The Pigs“. Zudem sorgt der fast vergessene „Eraser“ für den einzigen instrumentalen Moment des Abends, bei dem auch die präzise Lightshow Raum zur Entfaltung bekommt. Die Hoffnungen auf „We‘re In This Together“, das der Meister dieser Tage erstmals ab und zu live spielt, bleiben leider vergebens. Dafür gibt es erste Nachrichten aus dem „Year Zero“. Zum einen in Form des wohl bald vergriffenen Tour-T-Shirts. auf dem die ersten Schlüssel zum Albumkonzept versteckt sind. Zum anderen spielen Nine Inch Nails heute die zwei am leichtesten zu verdauenden Songs der Platte „Survivalism“ und „The Beginning Of The End“. Sie sind rockig, fast punkig und stützen einen kräftezehrenden Abend, dessen einzige Ruhepole „The Day The World Went Away“ und das anschließende „Hurt“ sind. Fast hatte man angesichts dieses Feuerwerks aus Licht, Sound und Technik die stillen Nine Inch Nails vergessen. Reznor zeigt sie heute in alter Manier: unvermittelt, ergreifend und regelrecht pointiert, Jeder Griff: ein kleines Kunstwerk.

Jochen Schliemann

 

Setlist:

Somewhat Damaged

Last

Hersey

March Of The Pigs

Piggy

Ruiner

Closer

The Beginning Of The End

Burn

Gave Up

Help Me I Am In Hell

Eraser

Wish

Survivalism

Suck

Only

The Day The World Went Away

Hurt

The Hand That Feeds

Head Like A Hole

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