Heute morgen wachte Reznor chemisch benebelt auf. In der
Nacht davor hat er ein paar Tylenol-PM eingeworfen, die mit 25 Milligramm
Dipehnhydramin pro Kapsel Schlafprobleme verhindern - ungefähr so, wie ein
Schlag mit dem Baseballschläger auf den Schädel beim Einschlafen hilft. Es ist
ja nicht so, dass er heut noch Traktor fahren muss, aber aus irgendeinem Grund
hat er dem Interview zugestimmt.
Er nimmt einen neuen Anlauf, um seine Gedanken zu
beschreiben. "Ich habe immer geglaubt, dass es mich retten würde, Musik zu
machen und ein Rockstar zu sein; dass es mir so etwas geben würde…"…
Wenn Reznor spricht, klingt seine Stimme zielbewusst und
höflich, und sie erinnert an Donald Sutherland in der Volvo-Werbung. Es ist ein
ruhiger Sonntagnachmittag in New Orleans, und Reznor nimmt sich von den
Aufnahmen für das neue Album einen Tag frei. Er hat entschieden, das Interview
in seinem Wohnzimmer zu führen, während er auf seiner Ledercouch liegt und an
die Decke starrt. Diese therapie-ähnliche Situation passt ganz gut.
Wahrscheinlich inszeniert er sich auch nur, um die Dramatik zu steigern;
vielleicht hat auch das Diphenhydramin seinen Sinn für Syntax benebelt; in der
Dauer seiner Sprechpausen könnte man jedoch einen LKW einparken.
…"… wie eine Begründung", beendet er den Satz.
Fast vier Jahre sind seit der letzten
Fulltime-Veröffentlichung mit neuem Material von Nine Inch Nails vergangen. "The
Downward Spiral" war eine verzweifelte Hymne an Suizid und Selbsthass. Die Musik
war brutal, strukturiert und kein bisschen kommerziell. Der einzige Song, der im
Radio gespielt wurde, hatte den Chorus "I want to fuck you like an animal". Das
Album war ein Riesenerfolg. Reznor sagt, die Aufnahmen zu "Spiral" "…saugten mir
den letzten Rest von Leben aus." Im Moment ist er mit einem neuen Album vollauf
beschäftigt. Ein neues Nine Inch Nails-Album kommt dann heraus, wenn dieses
Projekt vollendet ist. Sein Tonfall verrät, dass weitere Versuche, ihn auf etwas
festzunageln, sinnlos wären. Der derzeitige Titel lautet "The Fragile", und er
hofft auf eine baldige Veröffentlichung. "Ich finde, was ich fabriziert habe,
ist das beste seit langer, langer, langer Zeit", sagt er gelassen. "Es wird die
Leute verwirren, denn es bricht mit dem traditionellen Nine Inch Nails-Image".
Mit weiteren Aussagen hält er sich zurück und legt heute mal keine Demo-Kassette
ein. "Stell dir die lächerlichste Musik überhaupt vor… mit Kinderreimen
unterlegt…". Er deutet an, dass er "80 Songs im Kopf" hat, sie aber nicht zu
Ende komponiert. "Die Inspiration zu diesem Album gaben mir die Dinge… die eine
Gänsehaut verursachen, einem kalt den Rücken herunterlaufen", fügt er hinzu,
genau wissend, dass diese Beschreibung einem auch nicht viel weiterhilft.
"Möglicherweise ist das neue Album das genaue Gegenteil von ´The Downward
Spiral'. Ein bunter Strauß…" - er unterbricht sich selbst, nicht ganz zufrieden
mit seiner Wortwahl - "… Popsongs".
Da Reznor im wesentlichen das einzige Mitglied von Nine Inch
Nails ist, ist er der einzige, dem es bewusst ist, wie lange alles dauert. "Ich
bewundere diese kreativen Künstler", sagt er mit lauterwerdender Stimme, "und
das meine ich verdammt sarkastisch." Er wirkt angeekelt. "So wie…", er rotzt
verächtlich den Namen einer MTV-Ikone hin. Der Name ist nicht wichtig; er steht
lediglich für all das, was Reznor für sicht selbst nicht will. In dem Moment
steht seine Managerin in der Tür. "Braucht jemand irgendetwas?" fragt sie. Es
ist zweifellos kein Zufall, dass sie gerade in dem Moment auftaucht, als sich
Reznor abfällig über den Popstar äußert. Sie hat ein gutes Timing. Reznor ist
eben notorisch und undiplomatisch, was die Bewertung seiner Kollegen betrifft.
Eine Veröffentlichung von Nine Inch Nails hat die Seltenheit eine Kometen, und
kein Manager will deren Anfänge sofort im Keim ersticken. Er nickt zustimmen,
wie der Schüler gegenüber seiner Lieblingslehrerin. "Wir haben alles was wir
brauchen", antwortet er höflich. Während sie zum Pool zurückkehrt, führt er
seinen Gedanken zu Ende. "Das Songwriting verlief etwas unbestimmter als
früher".
Es ist nicht so, dass sich Reznor die letzten vier Jahre in
seinem Landhaus verkrochen und Nine Inch Nails-Videos auf seinem riesigen
TV-Bildschirm angesehen hätte. Seit "The Downward Spiral" hat er sein Image
untermauert, indem er wie Zorro - Touché - aus dem Dickicht heraussprang und uns
einen neuen, heftigen Song wie "The Perfect Drug" beschert hat, bevor er sich
wieder in sein Versteck verkroch. Er hat sich mit der Produktion von Soundtracks
("Natural Born Killers", "The Lost Highway") und anderen Bands (Marilyn Manson)
beschäftigt. Sein neuestes Vorhaben ist ein Remake von David Bowie's "I'm afraid
of Americans".
Er weiß, dass seine Verbindung zu David Bowie einigen Fans
etwas seltsam vorkommt. Als Nine Inch Nails 1995 zusammen mit David Bowie auf
Tour waren, wurde Reznor vorgeworfen, seinen Erfolg auf etwas Vergangenem
aufzubauen. Auf lange Sicht gesehen, war es jedoch weitsichtig von Reznor, Nine
Inch Nails mit einer Legende zu verbinden und sich damit vom Klischee des
heutigen Industrial Rock zu distanzieren. Besser noch: er konnte jede Nacht
backstage viel von seinem Vorbild lernen.
"Ich habe auf der Tour mit ihm eine Menge dazugelernt.
Tatsache ist, dass mich Bowie beeindruckt hat. Er hat sich immer wieder neu
offenbart - es ist ein gewagtes Unterfangen, immer mit der Gefahr des
Misserfolgs zu rechnen. Mit ihm abzuhängen und ihn so zu erleben - er ist so alt
wie mein Vater, sogar im gleichen Monat geboren - Wenn du jemanden wie ihn
triffst, der eine wirklich harte Zeit erlebt hat, aus der der Großteil der Musik
stammt, die mir wichtig ist, z.B. "Low", "Lodger", "Heroes" usw… Aber er hat es
überstanden und etwas Herausragendes geschaffen".
Reznor war für die Dreharbeiten zum Video "I'm afraid of
Americans" in New York. Zwei Tage verbrachte er damit, an der Lower East Side
für die Kamera herumzurennen und den Bedrohten zu spielen. Er ist der
Amerikaner, vor dem Bowie Angst hat. Er fand die Zeit in Manhattan gut und sucht
dort eine Bleibe. Zur Zeit ist allerdings New Orleans sein Zuhause, was für ihn
ein ungewöhnlicher Zustand ist: in den letzten zehn Jahren hat er nämlich nie
länger als sechs Monate an einem Ort gewohnt. Zum ersten Mal seit 32 Jahren
wohnt er nicht zur Miete.
Sein Landsitz befindet sich zwei Meilen oberhalb des
französischen Viertels. Sein Nachbar ist Stadtratsmitglied von New Orleans; Anne
Rice wohnt ein paar Straßen weiter. Jedesmal, wenn die Touristenbusse vor
Reznors Haus einen Stop einlegen, weist der Fremdenführer auf den
architektonischen Stil (Griechische Neuzeit) und auf das Baujahr (etwa 1850)
dieses Bauwerks hin. Die Gaslichter leuchten die ganze Zeit, selbst Sonntag
nachmittags.
Das Haus ist für eine Person eigentlich zu groß. Wer immer es
auch erbaut hat, hat an eine große Familie sowie ein paar Hausangestellte
gedacht. Als Reznor es gekauft hat, war es in einem "schrecklich
heruntergekommenen Zustand" und in ein Zweifamiliengaus aufgeteilt. Er riß die
Trennwände heraus. Aus Rücksicht auf die Frau nebenan aus dem Stadtrat, hat er
schalldämpfende und doppelverglaste Fenster eingebaut. Reznor mag die
Gaslichter, auch wenn er sich fragt, wann sie wohl das Haus abfackeln
werden.
Obwohl im neuen Album keine Anspielung auf Crescent City -
weder Blues noch Waschbrett - vorkommen, ist offenkundig, dass ihn seine
Umgebung beeinflusst. Reznor spricht über Gänsehaut. Er bemüht sich um
Atmosphäre.
"Ich habe das Konzert von Erykah Badu gesehen. Es war ein
Tritt in den Arsch", sagt er. Er stützt sich auf seine Ellenbogen.
"Ausschließlich Schwarze im Publikum; ich war da der einzige Weiße. Und jeder
einzelne konnte die Texte mitsingen. Ich habe so etwas, glaube ich, noch nie
erlebt…"
"Es hatte so eine Spiritualität, eine Art von
Zusammengehörigkeit - wie ich das als Außenstehender sehe - , das versuche ich
auch zu erreichen. Das ist eines der Dinge, die man nicht unbedingt leicht als
eine gute Sache erkennen kann".
Ihm fällt es schwer zu erklären, wonach er strebt, und es ist
nicht weniger frustrierend für ihn, es zu verwirklichen. Auf Vorschlag seines
Produzenten Rick Rubin hat Reznor seine Sachen gepackt und ist für einen Monat
nach Big Sur, Kalifornien, gefahren. "Ein weiterer Umstand, der wahrscheinlich
die Arbeit verlangsamt hat", meint er, "für diejenigen, die Ergebnisse
erwarten". "Der Gedanke, der dahinterstand, nach Big Sur zu gehen, war es, Songs
auf dem Klavier zu schreiben, ganz anders, als ich es in der Vergangenheit getan
habe, als jedes Stück mit einem Loop oder einer Bassline beginnen musste. So
wollte ich verhindern, zu einer Karikatur meiner Selbst zu werden".
Das war eine noble Idee, aber Reznor hat schnell erkannt,
dass dies einem Desaster gleichkam. "Die Zeit dort war die Hölle", beschreibt er
eine der schönsten Küstenlandschaften der Welt. "Das einzige, was dich über
Wasser hält, ist der Gedanke daran, wie schön es wäre, ein Wochenende mit deiner
Freundin hier zu verbringen. Wenn dich jedoch die völlige Einsamkeit überfällt,
wäre es schön, die 5000 Sterne am Himmel mit jemandem zusammen zu betrachten.
Das - und dazu noch die Tatsache, dass man an einem 300 Fuß hohen, steil
abfallenden Felsen steht".
Ein paar Ideen sind allerdings während des Monats in Big Sur
entstanden, meint er. Aber das Wichtigste war, dass er an seinem Entschluß
festgehalten hat, nicht mit einem Computer zu arbeiten.
"Alles, woran ich jetzt arbeite, wurde auf Gitarren oder
Keyboards gemacht, die nicht richtig funktionierten. Dadurch entstand diese
unbestimmte… Atmosphäre. Es ist eher der Musiker in mir, der etwas über die
Feinheiten dazulernt, die das richtige Gefühl vermitteln. Ich habe immer
geglaubt, dass x+y+z=…". Reznor erklärt, dass alle fertiggestellten analogen
Musikstücke das Ergebnis von x+y+z sind; das sind die Möglichkeiten eines
Drum-Computers.
Vielleicht liegt es an der Pseudo-Psychoanalyse-Couch, dass
er im Grunde mit sich selbst redet, so, als würde er im Flüsterton seine
Versäumnisse aufzählen. "Und wenn ich meine Texte im nachhinein betrachte,
stelle ich fest, dass jeder Song mit ´Ich' beginnt." Er hält einen Moment inne.
"Yeah", fährt er fort. "Die letzte Zeit war hart für mich". Nach einigen
Anläufen eröffnet Reznor, dass seine Großmutter, bei der er aufgewachsen ist,
mit 85 Jahren gestorben ist. "Ich habe sie sterben sehen", sagt er mit grimmiger
Bitterkeit. Er starrt fast eine Minute lang an die Decke und sagt dann: "That
sucked".
Er legt seine Arme um seinen Körper. Sein Kinn zittert. Der
einzig hörbare Laut im Zimmer ist sein Schlucken. Ein bewegender Moment.
Eine der Kritiken, die Reznor als öffentliche Person
hinzunehmen hatte, war, dass alles, was er macht, nur gespielt sei. Wenn man
bekannt ist als gequälte Seele, gibt es immer Leute, die die Glaubhaftigkeit
anzweifeln. Es wird unterstellt, dass es eine Strategie wäre, um die
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Und tatsächlich wurde Reznor nach Woodstock
II in Interviews gefragt, ob der Auftritt von Nine Inch Nails, mit Dreck
beschmiert, sorgfältig vorbereitet war. Was glauben die Leute, wie Reznor drauf
ist? Dass er, sobald er irgendwo Schlamm sieht, sofort erkennt: ich muss mich
nur einschmieren um dreifach Platin zu erhalten.
Zurück nach New Orleans - hat sein Kinn wirklich gezittert?
Ja. War es nur gespielt? Ist er wirklich so verloren? Statt eine Antwort darauf
zu suchen, fragt Euch selbst: falls Trent Reznor in den letzten zehn Jahren
ununterbrochen und konstant seine Angst nur gespielt hat - jedesmal, wenn er auf
der Bühne, im Fernsehen, in einem Video, einem Interview, in jedem seiner
Songtexte - , wenn er also jedesmal versteckt hätte, was für ein witziger und
lustiger Typ er ist, würde es ihm dann nicht genauso schlecht gehen?
Er starrt mit glasigem Blick vor sich hin, unrasiert und
bleich. "Sieh jemandem beim Sterben zu. Es ist keine saubere, perfekte Sache" -
er schließt friedlich die Augen - "wie es einem immer erzählt wird. Es ist der
Horror".
Jede Stadt in Amerika hat mindestens einen Gothic-Club. In
New Orleans ist es das Blue Crystal. Wenn eine Band wie The Cure in der Stadt
ist, gibt das Blue Crystal nach dem Auftritt eine Party. Der Club hat Reznor
zur Cure-Aftershow-Party eingeladen, da es am naheliegensten war, ihn als
stadteigenen Promineten dazuzubitten. Beim weiteren Gespräch stellte sich jedoch
heraus, dass Cure sich nur zeigen würden, wenn Reznor auch anwesend ist. Man
kann es zwar aus der Musik von Nine Inch Nails nicht heraushören, aber Reznor
ist seit jeher ein Fan von The Cure. Für ihn ist "The Head on the Door" "… eine
der besten Scheiben, die jemals erschienen ist". Er sieht sich selbst am
liebsten als: "Robert Smith with a head cold".
"Am Ende bin ich in den Club gegangen, und
überraschenderweise waren alle Bandmitglieder von The Cure da. Der Barmann hat
mich herübergerufen und gesagt: `Robert würde dich gerne kennenlernen'". Reznor
lächelt und mach ein Gesicht, als ob er sagen wollte: du glaubst, ich muss mein
Jugendidol in einem Club in Lousiana treffen? Jetzt? Vor all diesen
Leuten?
"Am Ende lagen er und ich uns auf der Tanzfläche in den
Armen. Es war so, als ob er sagen wurde `Ich liebe dich, Stadtmensch' und ich
`Ich liebe dich auch, Mann'". Die Cure-Fans haben im Kreis drumherum getanzt,
und aus den Lautsprechern kam "Blue Monday" von New Order. "Das war das Größte".
"Wir waren beide ziemlich distanziert", meint er hinzufügen zu müssen. "New
Orleans ist so dekadent und lächerlich - das ist mir als erstes aufgefallen. Das
genaue Gegenteil von Pennsylvania, das ich unbedingt verlassen wollte".
Wahrlich, New Orleans ist kulturell gesehen, weit von der
"Deer Hunter"-Landscahft entfernt, in der Reznor aufgewachsen ist.(Mercer
Pennsylvania, ist hauptsächlich als Autobahnkreuz zwischen den Interstates 79
und 80 erwähnenswert). Vielleicht ist es genau das, was er braucht. Wenn er
feststellt, dass seine "gesamte Entwicklung die Leute in meiner Umgebung
eliminiert hat, dass alles… auf eine Person reduziert wurde" - wenn er einen Ort
wie Big Sur "höllisch" finden kann, wie lange kann er dann noch in einem Sumpf
leben?
Seine Isolation ist nicht ausschließlich geographischer Art.
Obwohl Nine Inch Nails immer Reznors eigenes Projekt war, haben viele
langjährige Mitglieder die Band verlassen. Und obwohl der schon früher einmal
gegangen war, ist Chris Vrenna, der damals in Cleveland mit Reznor zusammen
gelernt hat, wie man einen Sampler bedient, nicht mehr im NIN-Lager. Reznor mach
eine vage Anspielung auf Vrennas Weggang.
"Ich habe die Vorstellung von Nine Inch Nails als
Gemeinschaftsprojekt aufgegeben". Er überlegt einen Moment. "Und seit kürzlich
einige Freunde gegangen, und mir Inspiration für die neuen Stücke gekommen sind,
geht's mir gut".
Reznors Managerin erscheint wieder auf der Bildfläche. Sie
will sehen, wie er mit dem Interview zurechtkommt. Schon fertig? Alles in
Ordnung? Alles in Ordnung, sagt er.
"Über wen sprecht ihr?" fragt sie und zählt die Liste
verbotener Themen auf: "Bush, R.E.M. und Prince". Überzeugt davon, dass er sich
daran hält, geht sie wieder. Reznor richtet sich auf und sagt mit lauter Stimme:
"Um noch mal darauf zurückzukommen, Courtney hat…".
Die Managerin kommt wieder zurück ins Zimmer. "Hast du sie
auf dem Titelblatt von US gesehen?", zum ersten Mal an diesem Tag hebt er seine
Stimme. "Was zum Teufel war das?", fragt er. Eine kurze Unterhaltung über
Courtney Love und ihren neuen California-Look kommt auf.
Was Brite in ihrer Courtney-Biographie über ihn schrieb, ist
"100%ig falsch". Die Managerin sagt, sie denkt, dass das sehr traurig ist, und
geht. An der Tür hält sie inne, und dreht sich noch einmal um. "Trotzdem, diese
Namen, die gerade erwähnt wurden, haben wir natürlich nicht erwähnt".
Reznor erhebt sich, um mich durch das Haus zu führen. Die
Einrichtung ist genau so, wie man es von einem Junggesellen mit einem Hang zur
Selbstzerstörung, der mit Industrial Rock Millionen gemacht hat, erwartet. Im
Foyer steht eine Büste von Mephistopholes, um deren Hals Reznors Grammy an einem
Band baumelt. Im Fuß des Kerzenleuchters schwimmt ein Goldfisch..
Wie viele Räume? "Gute Frage". Oben am Treppenabsatz befindet
sich ein sonnendurchfluteter Winkel. "Dort kommt das Cembalo hin". Sein
Schlafzimmer ist dunkel und imposant, dominiert von einem mittelalterlich
wirkenden Himmelbett. Vor den Fenstern hängen dicke Samtvorhänge, die die
Nachmittagssonne abhalten. Die Frau in seinem Bett winkt schüchtern rüber. Er
schlendert durch einen kleinen Raum im Anschluss an das Schlafzimmer. "Dies wird
das Zimmer für das Baby". Moment. Meint er das ernst? Aber er ist schon wieder
draußen und steht an der Tür zum Badezimmer. "Ich geb's zu, es ist dekadent.
Aber wir mussten ein ganz neues Badzimmer einbauen lassen, also warum nicht?".
Er öffnet die Tür. Da steht ein Jacuzzi. Und auch eine Dusche. Zweifelsohne die
beste Dusche in ganz Louisiana. Reznor öffnet die Glastür, dreht den Duschhahn
auf, und ein Wasserstrahl ergießt sich. Der Duschkopf hat die Größe eines
Frisbees. Er hat seitliche Düsen. Eine großartige Dusche.
Früher hat sich Reznor dafür entschuldigt, so depressiv zu
sein. Es erscheint komisch, dass er sich so für Installationsarbeiten begeistern
kann. Ich kann mir nicht helfen, aber ich frage mich, ob es nicht die Musik ist,
durch die er so übel draufkommt - wenn das der richtige Ausdruck dafür ist. Der
Pakt mit dem Teufel: Wenn Reznor wüsste, dass er nur glücklich sein könnte, wenn
er die Musik für immer aufgibt, würde er es tun?
"Ich war noch nie glücklich", sagt er, "deshalb weiß ich es
nicht."
Interview: William Ferguson