NIN-PAGES

Interviews

Album

Live

Übersicht

 

BYIT

 

 

 

 

Orkus

 

April 2007

 

 

 

Autor: Thomas Sonder

 

 

 

NINE INCH NAILS

Live: Beside You In Time

DVD (Nothing/Universal)

bereits erschienen

Große Erwartungen sollte man keine hegen, wenn man sich auf diese DVD vorfreut oder sich das Brot vom Mund abspart, um Live: Beside You In Time (benannt noch dem wohl coolsten With Teeth-Song) ins heimische Regal hineinzukaufen. Denn so richtig ist es dieses audiovisuelle Dokument nicht wert, repräsentiert es doch eine der berühmtesten und fanreichsten Bands dieser Erde nur mit kargen Mitteln. Gerade anderthalb Stunden dauert die Aufzeichnung der letztjährigen „With Teeth“-Tour in den USA, der Rest der Scheibe ist mit unsensationellem „additional content“ und einem — ganz finster — geräuscharmer, sprich: geräuscharmen Menü „ausgestattet“. Fünf weitere, irgendwie uninspirierter wirkende Live-Tracks den Sommertour 2006, drei kurze Proberaummitschnitte (The Collector, Every Day In Exactly The Same und Love In Not Enough), die Videoclips von The Hand That Feeds und Only sowie eine Bildergalerie und die bisherige Discographie. Sicherlich sind 92 Live-Minuten Nine Inch Nails besser als gar keine, allerdings ist oftmals trotz des hervorragenden Sounds ein akustisches Ungleichgewicht zu erkennen, das auch von der grandiosen Lightshow nicht weggeschluckt zu werden vermag, welche von der Kamera aus Fernperspektive wahrlich perfekt eingefangen wurde — die Gesamtoptik eines NIN-Konzerts kommt voll zur Geltung. Die 19 Titel des Hauptfilms sind eine angenehme Reise durch mehrere Dekaden und Platten, mit Höhepunkten wie Terrible Lie, bei dem sich Trent Reznor emotional komplett in den Song hineinlegt und eine imposante Performance abliefert; auch Gave Up ist sehr überzeugend rockig und wild dargeboten. Gänsehaut stellt sich automatisch bei der zweiten Nummer You Know What You Are? ein: Der Vorhang, der bei Love Is Not Enough die Musiker leicht verhüllte, hebt sich, und der herrliche Gesamteindruck sowie die Lichteffekte entfalten sich zur Gänze. Fürs Herz sind zudem die leisen und gefühlvollen Interpretationen von Right Where It Belongs und Hurt, wohingegen With Teeth das Manko des Auftritts offenbart: Zu Beginn bedient Trent alleine die Keys und singt, doch mit dem dazu einsetzenden übermotvierten, übersteuerten und recht unfähig anmutenden Gitarristen Aaron North wird der Rest dieses Liedes langweilig als Standard heruntergespielt. Überhaupt die E-Gitarre: Das Prunkstück Closer sowie Eraser wurden ebenfalls durch das zu laute Agieren Norths total verunstaltet, und was Nine Inch Nails hier absolut nicht hingekriegt haben, ist leider March Of The Pigs, welches ziemlich schlecht und unbeholfen runtergezockt wunde. Wish wiederum transportiert das Wilde überraschend originalnah. Unterm Strich ist Live: Beside You In Time okay, ginge aber noch deutlich besser da man von einer Gruppe dieses Kalibers wesentlich mehr erwartet. (7)

Thomas Sonder

 

oben